Elizas moderne Möbel

Wer sich in Schloss Homburg auf eine Zeitreise zur Landgräfin Elizabeth (1770-1840) begibt, entdeckt im Englischen Flügel Prinzipien, die überraschend modern sind. Einfach sollen Möbel sein, schön, zweckmäßig und solide – eben ‚comfortable‘. Höfischen Glanz gab es in Schloss Homburg nur im prächtig geschmückten Speise-saal. Um den großen Eichenholztisch standen 36 Mahagoni-Stühle, deren damalige Sitzbezüge aus rotem Saffian-Leder Eliza selbst gestaltet hat.

Aber der englischen Prinzessin war höfische Prachtentfaltung gar nicht so wichtig. Sie war Trendsetterin und setzte in anderen Räumen des Schlosses vielmehr auf moderne englische Möbel: schlicht, einfach und natürlich. Die englischen cabinet-maker galten schon Ende des 18. Jahrhunderts als führend in Europa. Sie kannten bereits die arbeitsteilige Herstellung, schufen einen neuen Stil und sorgten außerdem dafür, dass dieser Stil durch Vorlagenwerke auch auf dem Kontinent rasche Verbreitung fand.

So wurde der englische Einfluss prägend für das Biedermeier und dessen Prinzip der materialgerechten und zweckmäßigen Gestaltung. Eliza wirkte daran mit, Schloss Homburg wurde ihr Schaufenster. Luxus bedeutete für sie nicht Prunk, sondern Bequemlichkeit. Viele Möbel sind kleiner und leichter. Das zeigt auch ihr Blaues Cabinet. Die Kombination aus Mahagonitisch, Armlehnsessel, Chaiselongue und Nähtisch vermittelt einen geradezu bürgerlichen Eindruck. Eliza bezog viele Möbel aus England, beauftragte aber auch deutsche Kunstschreiner wie z.B. Johann Valentin Raab (1777-1839) aus Frankfurt am Main oder auch den Stuttgarter Ebenisten Johannes Klinckerfuß (1770-1831), der auch für ihre Schwester Charlotte Auguste Mathilde (1766-1828), Ehefrau König Friedrichs I. von Württemberg (1754-1816), arbeitete. So zeigt das Blaue Cabinet nicht nur die neue Möbelkunst des frühen 19. Jahrhunderts, sondern es steht auch für einen erfolgreichen englisch-deutschen Kulturtransfer.

Speisesaal, Schloss Bad Homburg v. d. Höhe, Malereien vor 1829, heutiger Zustand
© Michael Leukel
Blaues Kabinett, Schloss Bad Homburg v. d. Höhe, heutiger Zustand
© Michael Leukel